MUSAE MUSICALI   im)pulse for the future
 
 
F - Violett/Rot - "...and beyond"
 
 
F - Violett/Rot - "...and beyond"



"...and beyond"
Mikrokomposition für Flöte and Violoncello
(wahlweise Bassflöte oder Fransello)
2013

 
Das Stück besteht aus 12 Bausteinen, kleinen Kärtchen, die für jede Aufführung immer in eine neue zufällige Reihenfolge gebracht und auf eine spezielle Weise aufgelegt werden sollen.  Diese Anordnung folgt nun - laut Anregung - der Figur der liegenden Acht, dem Zeichen für Unendlichkeit . Beginn ist immer einer der beiden Karten, die in der Mitte zu liegen kommen(siehe Skizze).
Die Spielanweisungen auf den Kärtchen - auch als eine Art weiterführende Improvisationsanweisung zu verstehen - zeigen kurze Klangmomente von maximal zehn Sekunden Dauer. Die Kärtchen werden von beiden SpielerInnen zugleich gespielt, wobei auch durchaus leichte zeitliche Überschneidungen beim Übergang einer Karte auf die nächste geschehen dürfen. Es sollte aber keine weitere Synchronisation der Spieler erfolgen (Einsätze, Zeichen etc.). Jedes Kärtchen wird nur ein einziges Mal gespielt.
 
zu:
"...and beyond"
Die Farbe, die ich gewählt habe, liegt nun am oberen Ende der Skala, am Rand, wo die Töne verschwinden und sich in neue, nie gesehene und ungehörte Farben auflösen werden. 
Anfänglich fiel es mir schwer, mit einem so geringen Ausgangsmaterial zu arbeiten, und auch ein so kleines Zeitmaß zur Verfügung zu haben. Aber die Idee des Mosaiks erzeugte  bei mir den Wunsch, auch ein noch so kleines Stück doch in weitere Bestandteile aufzuteilen, Bruchstücke von Mosaiksteinen vielleicht, Farbnuancen, Reflexionen, Körnigkeiten, Splitter, Kanten und Grate.
Mir gefällt es, wenn der Musik die Möglichkeit gegeben wird von Grund auf zu entstehen. Die Vorraussetzungen dafür zu schaffen, interessiert mich weit mehr, als das, was man als klassische Komposition bezeichnet. So wie es beim elektronischen Arbeiten es nie so ganz klar ist, was am Ende trotz eines gefinkelten Planes herauskommt, so möchte ich auch für Musiker und Instrumente Experimentier-Ebenen erzeugen, deren Einfluß die eigentliche Musik erst erblühen lässt - nämlich das, was am Ohr der Hörerin oder des Hörers eintrifft und nicht das, was am Papier steht. 
Ich arbeite oft (elektronisch) mit klingenden Materialien, die in kleinste Betandteile zerlegt werden, in feine "Körner", aus denen dann in ihrer Vielzahl wieder etwas Neues entsteht, gleichsam als eine Art Mosaik selbst. Die Qualität dieses Neuen ist aber ursächlich noch mit dem kleinsten dieser Körner verbunden, und jedes dieser Körner hat die Qualität vollständig zu sein, besitzt Tonhöhe und Farbe, ist Anlaut und Auslaut, hat innere Dynamik und objekthafte Form. 
Aber ist nicht alles in der Natur aus kleinen und kleinsten Bestandteilen zusammengesetzt, von der Rauheit der Oberflächen bis zur rätselhaften Natur der Atome? Und bildet nicht so auch jedes Lebewesen oder Ding eine Art Mosaik, dessen Gesamtqualität sich beim näheren Betrachten in eine Unzahl von kleineren Bildern oder Bestandteilen auflöst?

12 Kärtchen - 12 Stücke

Die Art des Auflegens und des immer wieder in eine neue Reihefolge bringen lässt sich auch auf den Gesamtverlauf von Musae übertragen. Es entsprechen nun den 12 Kärtchen die 12 Stücke, einem jeden Kärtchen ist auch eine Farbe des Gesamtspektrums zugeordnet. So folgt nun der Verlauf im Großen dem Verlauf im Kleinen - Steinchen für Steinchen, Stück für Stück -  zu einem Mosaik, das immer wieder von neuem und in neuer Komplexität entsteht.
 


Klaus Hollinetz

geboren am 7.10.1959 in Linz, lebt und arbeitet in Traun / Oberösterreich. Volksschule 1966-69, Bundesrealgymnasium in Wels und Traun 1969-1978, Matura. Lehrgang für Elektroakustik und Experimentalmusik an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien 1985-1987 bei Dieter Kaufmann. Literarische Tätigkeit seit 1985. Publikationen u. a. in Österreich, Mexiko und Tschechien. Talentförderungspreis des Landes Oberösterreich für Literatur 1991 und für Musik 1992, Anton Bruckner Stipendium 2001, Landeskulturpreis 2005. Seit 2000 Lehrbeauftragter für Ästhetik der Elektronischen Musik und Sound-Design am IEM/Kunstuniversität Graz.
Viele Aufführungen und Konzerte, unter anderem bei den Festivals SYNTHESE in Bourges / Frankreich und FUTURA in Crest / Frankreich, in der Alten Schmiede, im Museum des 20.Jahrhunderts und im Technischen Museum in Wien, im Brucknerhaus und OK-Centrum für Gegenwartskunst in Linz, beim Festival FEM95 in Bratislava, Slovakei und bei den Festivals 4 TAGE ABSOLUTE MUSIK in Linz 1992 und ABSOLUTE MUSIK 96 in Allentsteig, HIFA Harare 2004., LINZ09 Kulturhauptstadt Europas 2009. Weitere Aufführungen und Rundfunkprogramme u. a. in Österreich, Tschechien, Slovakei, Ungarn, Frankreich, Holland, Schweiz, Spanien, Schweden, Deutschland, Kanada, USA, Zimbabwe, Moçambique und Südafrika. Verschiedene CD Produktionen, Filmsound, Klanginstallationen.


 
 
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